Spielzeug und Wirtschaftsgut
Dr. Maren Raetzer, Leiterin des hessischen Puppenmuseums in Hanau-Wilhelmsbad führte die Wirtschaftjunioren jüngst durch die Räume des Museums und durch die Geschichte der Puppen als Wirtschaftsgut.
„Bereits Exponate aus der Römerzeit zeigen, welchem Geschlecht eine Puppe zugedacht war. Neben Ihrer kultischen Bedeutung sollte sie die Identifikation mit der jeweiligen gesellschaftlichen Rolle fördern“, erklärte Raetzer. Das gilt laut Raetzer auch für die prächtigen französischen Modepuppen, die früher an europäischen Höfen detailtreue Bekleidungsstile in Form und Schnitt wie auch in Material und Verarbeitung zeigten: „Mit diesen kostbaren Puppen, die sogar zu Kriegszeiten Sonderpassierscheine bekamen, waren die Damen von Welt stets über die neueste Mode im Bilde. Nach diesen Vorbildern ließen sie ihre Kleider schneidern.“ Erst durch Modedrucke und Modejournals hätten diese Modeträger an Bedeutung verloren.
Ein Gang durch das Museum zeigt: Erst im 19. Jahrhundert kommt die Entwicklung der Puppenherstellung voll zur Blüte. Biskuit-Porzellan und gegen Ende des Jahrhunderts auch Celluloid kommen als Material zu Wachs, Holz und Pappmachè hinzu. Mit Blick auf die kunstvollen und beweglichen Exponate berichtete Raetzer: „Viele Innovationen sind in dieser Zeit zu finden, zum Beispiel die Kugelgelenke oder Gummi für die Verbindung der einzelnen Gliedmaßen. Aber mit zunehmender Mechanisierung und Technisierung wurde die Produktion immer unrentabler.“ Erst mit Marken wie „Käthe Kruse“ und „Schildkröt“ sei das industrielle Zeitalter angebrochen. Rationalisierungen in der Puppenfertigung hätten die Branche grundlegend verändert. Im Jahr 1896 ist die erste Puppe aus Celluloid von Schildkröt produziert worden, heute der älteste Puppenhersteller. Noch vor dem Ersten Weltkrieg habe „Käthe Kruse“ einen Großauftrag von über 150 Puppen aus Amerika bedient. Damit sei der Weg von der Manufaktur zur Fabrik vorgezeichnet gewesen.
Nach dem Zweiten Weltkrieg führten neue Materialien wie Tortulon zu komplett industriell gefertigten Puppen. Als „Barbie“ oder „baby born“ hätten sie die Kinderzimmer erobert – und vielleicht auch die Wertpapierdepots der Eltern, schloss Raetzer ihre Führung.
Tobias Kämpf, Sprecher der Wirtschaftjunioren und selbst Familienvater, dankte Raetzer sehr herzlich für die ungewöhnliche Führung: „Das Puppenmuseum ist ein Ort zum Wohlfühlen für die ganze Familie“.








